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Die Erzählungen stellen Zusammenhänge zwischen den vielfältigen Spuren her, welche die koloniale Geschichte in der Stadt hinterlassen hat. Sie verweisen auf historische Ereignisse und berichten über das Wirken diverser Akteure des Kolonialismus. 

 

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Der Raub des Tangué

Seit circa 130 Jahren befindet sich im Münchner Völkerkundemuseum eine hölzerne Bugverzierung – Tangué genannt – aus dem heutigen Kamerun, der von dem deutschen Kolonialbeamten Max Buchner geraubt wurde.

Max Buchner befand sich seit Juli 1884 als stellvertretender Konsul des deutschen Kaiserreiches an der westafrikanischen Küste, um diesen Teil Afrikas für das Deutsche Reich in Besitz zu nehmen. Bei einem Angriff auf das widerständige Dorf Hickorytown (heute Bonabéri-Douala) im Dezember 1884 nahm er das Tangué als Beute mit. In seinen Erinnerungen schildert er die Szene folgendermaßen:

"Das Haus des Lock Priso wird niedergerissen, ein bewegtes malerisches Bild. Wir zünden an. Ich habe mir aber ausgebeten, dass ich einzelne Häuser vorher auf ethnographische Merkwürdigkeiten durchsehen darf. Meine Hauptbeute ist eine große Schnitzerei, der feudale Kahnschmuck des Lock Priso, der nach München kommen soll."

Buchner kehrte im Mai 1885 nach Deutschland zurück. Seine "Hauptbeute", das Tangué, schenkte er dem Münchner Ethnographischen Museum, dem heutigen Völkerkundemuseum. Dafür erhielt er 1885 den Verdienstorden des bayerischen Kultusministeriums. Zwei Jahre später wurde er zum Leiter des Museums ernannt.

Tangué im Völkerkundemuseum

Zara Pfeiffer, Sammlung [muc] münchen postkolonial

Rückgabeforderung

Heute kann das Tangué immer noch im Völkerkundemuseum besichtigt werden. Prinz Kum’ a Ndumbe III., Nachfahre des damals beraubten Königs Lock Priso, der seit Jahren die Rückgabe des Schiffsschnabels nach Kamerun fordert, sagte hierzu in einem Interview:

"Das Tangué ist nicht nur eine Schnitzerei, ein Kunstwerk, auch nicht nur eine Königsinsignie. Es ist eine Summe von spirituellen Symbolen, die ein Volk mit Natur, Umwelt, Universum und Gott verbinden. Es spiegelt die Seele unseres Volkes. Seit dem 19. Jahrhundert raubte uns Europa systematisch und oft mit Waffengewalt unsere Seele und bezwang sie dann in Völkerschaugefängnissen, die man beschönigend in 'Museen' umgetauft hat. Wir brauchen das Tangué in Bonabéri, für unsere Rituale, für unsere Wasserfeste, für die Versöhnung mit uns selbst und für die Versöhnung mit den Deutschen, die ein schweres Unrecht begangen haben. Wir verlangen, dass das Tangué jetzt von München nach Bonabéri zurückgebracht wird. Es soll eine würdige Stätte in Bonabéri für das Tangué errichtet werden."

Der Tangué im VölkerkundemuseumGrab von Max BuchnerStaatliches Museum für Völkerkunde

 

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Vom Kolonialsoldaten zum Nationalsozialisten: Franz Ritter von Epp (1868-1947)
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